Poetische Büffelbäuerin begeisterte im Stadthaus

Julia C. Bourmer las in der Stadtbücherei aus ihrem Buch "Büffelei"


Es ging um fettige Haare, um heißblütige, osteuropäische, liebestolle Büffelkühe, einem Speiseplan, der hauptsächlich aus Kartoffeln und Hülsenfrüchte bestand und um Löcher in Socken und Schuhen. Julia C. Bourmer las in der Stadtbücherei Selters aus ihrem Buch "Büffelei" in der Reihe "Westerwälder Autoren hautnah".

Ein Jahr lang hatte Julia Bourmer auf Luxus und Konsum verzichtet und zusammen mit vier Büffeln und zwei Huzulenpferde als Bäuerin in Maxsain in ganz einfachen Verhältnissen gelebt und darüber in einem Blog und nun in einem Buch berichtet. "Leichter ist mein Leben nicht, aber einfacher", sagt sie rückblickend.

Mit Leichtigkeit und wunderschön beschreibender Sprache berichtet Bourmer über die Schnecken, die ihren Salat gefressen hatten, den eigenen Obstanbau, dem Verzicht auf Plastik und die Schwierigkeiten jeden Tag für den Internet-Blog zu schreiben. Sie verfasst ein Märchen über den Ausbruch eines Büffels und ein Gedicht über ihre Strickjacke, die sie das ganze Jahr begleitet hatte. Sie schildert humorvoll von der Ungläubigkeit in der Notaufnahme, als sie mit Prellungen im Bauch dort erschien: Sie war mit einem der gewaltigen Büffelhörner kollidiert. Den Duft von Schnee, die Sehnsucht nach Frühling und das intensive Leben mit immer größer werdenden Büffeln beschreibt sie in phantasievoller und poetischer Sprache. Bourmer hat wirklich etwas mitzuteilen. Auch dann, wenn sie sich über die Billiglederhose aus Pakistan aufregt und die Quälerei der Tiere anprangert, verliert ihre Sprache nicht an Eleganz. Sie antwortet sogar mit einem lustigen eigenen Oktoberfestmotiv: Büffel mit Dirndl-Bäuerin.

Sehr viele Fragen des Publikums zeugten von großem Interesse aber auch von enormen Respekt gegenüber der anpackenden jungen Frau, die ihr Projekt irgendwo zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und viel Idealismus ansiedelt. Auf die Frage, was denn ihr Fazit nach dem einen Jahr sei, antwortet Bourmer: "Weniger ist mehr, weglassen macht freier und es ist nicht alles so dramatisch".

Schwierigkeiten machten der Autorin die Rückkehr in die "menschenfeindliche Zivilisation". Sie beschreibt wie schrecklich für sie der Besuch eines Einkaufszentrums im Advent war. Sie kam sich mitten im Konsum völlig fehl am Platz vor in ihrer abgetragenen Kleidung, deren Taschen bis an den Rand gefüllt waren mit Träumen.

Rund 60 Besucher erlebten einen kurzweiligen Abend mit einer engagierten, humorvollen und mit viel Mimik vortragenden Autorin.

Fotos: © Eckhard Schneider