Von Fantasy bis Sachbuch
„Selters liest vor“ entführte in Lesewelten
 Vorleser Frank Pfuhl, Nelly Lantermann, Beate Willach-Schneider, Andrea Stabel und Birgit Lantermann (es fehlt Jens Jurgeleit) mit Moderator Eckhard Schneider (dahinter).
Ein Hobbit stellt Rätsel, ein dementer Vater bleibt seinem Sohn nah, Insekten müssen für die Neugier eines Kindes mit dem Leben bezahlen – und ein Campingurlaub endet in der Katastrophe. Bei „Selters liest vor“ wurde es spannend, lustig, nachdenklich und berührend. Sechs Menschen stellten in der vollbesetzten Stadtbücherei vor, die sie besonders beschäftigt hatten. Moderator Eckhard Schneider führte durch den Abend.
 Jens Jurgeleit
Jens Jurgeleit ist mit seinem Sohn Stammgast in der Stadtbücherei. Dass er eine angenehme Vorlesestimme hat, war dort längst aufgefallen. Nun durfte auch das Publikum davon profitieren: Aus J. R. R. Tolkiens „Der kleine Hobbit“ las er die legendäre Begegnung zwischen Bilbo und Gollum vor, in der sich beide gegenseitig Rätsel aufgeben.
 Andrea Stabel
Um Gefühle ging es bei Andrea Stabel. Sie hatte sich Axel Hackes Buch „Wie fühlst du dich?“ ausgesucht, ein Essay über unsere Gefühlswelt. Die ausgewählten Passagen machten deutlich, wie sehr Gefühle erlernt sind und unser Leben beeinflussen – oft stärker, als uns bewusst ist. Selbst die Werbung weiß diese Macht geschickt zu nutzen. Stabel schätzt Hacke vor allem für seine Sprache, die auch komplexe Gedanken auf den Punkt bringt.
 Beate Willach-Schneider
Leise und eindringlich wurde es mit Beate Willach-Schneider und Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“. Das Buch erzählt von einem Sohn und seinem dementen Vater, von schwindenden Erinnerungen und der schwierigen Frage, wie Nähe möglich bleibt, wenn die gemeinsame Vergangenheit allmählich verblasst. Geigers Text ist traurig und tröstlich zugleich, voller Zärtlichkeit und feinem Humor. Gerade darin liegt seine berührende Kraft.
 Birgit Lantermann
Birgit Lantermann las aus „Und sie fliegt doch“ von Dave Goulson. Der britische Insektenforscher und Naturschützer erzählt darin von seiner Kindheit und seinen Experimenten mit Insekten, die nicht selten tödlich endeten – etwa wenn er versuchte, Bienen auf der Herdplatte zu trocknen. Dass sich aus diesem kindlichen Forscherdrang einmal ein Professor der Biologie und einer der führenden Naturschützer Europas entwickeln würde, macht die Geschichten umso amüsanter.
 Farank Pfuhl
Frank Pfuhl nahm das Publikum mit in eine ganz andere Welt: die siebenteilige Fantasy-Reihe „Die Krosann-Saga“ von Sam Feuerbach. Im mittelalterlichen Reich Toladar begegnen sich Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Pfuhl stellte den jungen, dicklichen Prinzen vor, der Sport verabscheut, und eine eiskalte Profikillerin, die ihn eigentlich umbringen soll.
 Nelly Lantermann
Weniger magisch, dafür umso beklemmender ist die Welt in Tonio Schachingers Roman „Echtzeitalter“, aus dem Nelly Lantermann las und zwar jene Stellen, die den despotischen Lehrer Bruno Dolinar beschrieben, der in einem Eliteinternat einem veralteten Bildungsideal anhängt und seine Klasse über Jahre hinweg mit psychologischem Druck quält.
 Eckhard Schneider
Zum Abschluss wechselte Moderator Eckhard Schneider vom Bücherregal ins eigene Leben. Seine Geschichte über einen Campingurlaub, der eigentlich der Erholung dienen sollte, entwickelte sich zur kleinen Katastrophenserie: Waldbrandrauch zwingt zur Flucht, ein heftiger Sturm verursacht Schrecken, Missgeschicke folgen kleinen Unfällen, und dann verschwindet auch noch der Hund. Was als Auszeit gedacht war, endet im Chaos.
Fotos: Rita Steindorf
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