Ein Park für alle Generationen
Bürgerinitiative verwirklicht Bewegungsparcours in Selters – ehrenamtliches Engagement macht den Saynbachpark zum lebendigen Treffpunkt
 Eine 87-Jährige probiert die Bewegungsgeräte aus. „Gut, dass auch für uns etwas gemacht wird.“, freut sie sich über das Angebot.
Ein sonniger Herbsttag im Saynbachpark: Senioren probieren die Sportgeräte aus, Kinder flitzen herum, Eltern sammeln Löwenzahn für die Hasen zu Hause. Auf den Bänken genießen Menschen die Sonne und lesen ein Buch. Der Bewegungsparcours in Selters ist ein Ort für körperliche Fitness, Begegnung und Erholung. Und er ist das Ergebnis einer Bürgerinitiative, die gezeigt hat, wie viel sich bewegen lässt, wenn Menschen ihre Stadt selbst gestalten.
Sechs Bewegungsgeräte stehen zwischen den Bäumen einer Allee. Sie fügen sich unauffällig in die Umgebung ein und profitieren im Sommer vom Schatten der Bäume. Die Übungen sind weniger auf Krafttraining als auf Beweglichkeit und Mobilisierung ausgerichtet. Kurze Stichwege zu den Geräten machen sie mit Rollator oder Kinderwagen erreichbar. Menschen unterschiedlichen Alters nutzen das Angebot. Eine 87-Jährige probiert einzelne Stationen aus und freut sich: „Gut, dass auch für uns etwas gemacht wird.“
Ein Platz ist im Sommer ganz besonders beliebt: Die rundum drehbaren Ruhebänke am Saynbach. Von hier aus kann man das Treiben im Park beobachten und die planschenden Kinder am Bach beaufsichtigen. Eine Waldschaukel aus Holz soll das Angebot noch im Oktober dieses Jahres ergänzen.
 Allee, Fußweg und Bewegungsparcours am Saynbach laden in Selters zum Bewegen, Verweilen und Genießen ein.
Hohes bürgerliches Engegement
Dass es den Bewegungsparcours heute im Saynbachpark gibt, ist der Initiative des SPD-Ortsvereines Selters und der Bürgerliste e.V. Selters sowie dem ehrenamtlichen Engagement von Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken. Die Idee reicht einige Jahre zurück. Bereits 2020 hatten Einwohner bei der sogenannten Zukunftswerkstatt Wünsche und Vorschläge für die Entwicklung der Stadt gesammelt. Ein attraktiver Park gehörte zu den favorisierten Ideen.
Doch die Umsetzung kam aus Sicht der Engagierten zu langsam voran. „Die Arbeit über Planungsbüros, Architekten und Verwaltung dauerte sehr lange, und damit waren wir unzufrieden“, erzählt Klaus Kühl aus Selters. Also nahm die Initiative die Sache selbst in die Hand, informierte sich über geeignete Bewegungsgeräte und geltende Vorschriften, schaute sich Lösungen in anderen Orten an und sprach mit Fachleuten. Skizzen und Lagepläne wurden gezeichnet, Vorstellungen visualisiert, Anträge in den Stadtrat eingebracht und Fördermittel beantragt.
Der Einsatz zahlte sich gleich mehrfach aus. Für die Planungskosten waren im städtischen Haushalt ursprünglich 70.000 Euro vorgesehen. Dank der ehrenamtlichen Arbeit fielen keine Planungskosten an, und die Fitnessgeräte konnten zudem günstig beschafft werden.
Selbst machen spart Geld und fördert die Gemeinschaft
Für Klaus Kühl ist die finanzielle Einsparung allerdings nicht der größte Erfolg: „Dass wir Geld sparen konnten, ist gut. Viel wichtiger ist aber, dass wir gezeigt haben: Wenn du deine Stadt verbessern willst, dann musst du als Bürger die Initiative ergreifen.“ Stadtbürgermeister Rolf Jung ist begeistert vom Ergebnis, aber auch vom hohen Engagement. „Wir sehen hier, dass man den eigenen Ort selbst lebenswerter machen kann, dass Bürger ihre Stadt selbst prägen können und dass die Gemeinschaft am gemeinsamen Tun gewachsen ist.“
Finanziell unterstützt wurde der Bewegungsparcours auch durch EU-Fördermittel aus dem LEADER-Programm über die Vergabe durch die Lokale Arbeitsgemeinschaft Westerwald. Das Programm fördert die eigenverantwortliche Entwicklung im ländlichen Raum.
Ein großes Konzept
Mit dem Bewegungsparcours ist die Idee vom Saynbachpark fast gänzlich umgesetzt, ein paar Ideen gibt es aber noch. In den Vorjahren wurden bereits 30 Bäume von Bürgerinnen und Bürgern zu einer Allee gepflanzt und ein Bolzplatz für Kinder bis zwölf Jahre errichtet. Er liegt in unmittelbarer Nähe zum Naturspielplatz, von wo aus Eltern ihre Kinder im Auge behalten können.
Alle bisher verwirklichten Einzelprojekte folgen einer größeren Idee: der Saynbachschleife. Ein barrierefreier Rundweg in Form einer Acht soll den Saynbachpark, den Naturspielplatz am Bruchfloß und den John-Peter-Altgeld-Platz mit dem Stadtzentrum verbinden. Dafür müssen noch einige Herausforderungen gelöst werden. Zwei Holzbrücken sind für Rollstuhlfahrer zu steil, und insbesondere der Höhenunterschied zwischen der Rheinstraße und dem John-Peter-Altgeld-Platz muss überwunden werden. Die Stadt sieht an dieser Stelle eine Rampe vor, die an den Verlauf des Saynbachs erinnern soll. Sie wäre eine praktische und vergleichsweise kostengünstige Lösung. Zudem nähme die Rampe in ihrer geschwungenen Form das „S“ im Logo der Stadt Selters auf.
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