Für die Würde aufgestanden und gesungen

Aktionstag gegen Rassismus brachte viele Kinder auf den Marktplatz in Selters


Ein voller Marktplatz am Aktionstag gegen Rassismus in Selters

„Halt mal die Klappe, wir singen jetzt unser Lied“, sagte eine Drittklässlerin entschlossen zu ihrer Freundin. Das Grundgesetz fest in der Hand stimmten beide fröhlich in die Nationalhymne ein: „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Ein Moment, der sinnbildlich für den Aktionstag gegen Rassismus in Selters steht – und für sein Motto: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Vor allem Kinder und Jugendliche, Schulklassen und Kitagruppen prägten das Bild auf dem Marktplatz. Schulen, das Seniorenzentrum St. Franziskus sowie das Psychosoziale Zentrum aus Montabaur hatten Infostände aufgebaut und luden zu Mitmachaktionen ein. Als Organisator begrüßte Selim Özen vom Quartiersmanagement der Stadt Selters die zahlreichen Besucher.

In kurzen Ansprachen betonten die Redner die Bedeutung von Demokratie und Zusammenhalt. Stadtbürgermeister Rolf Jung hob hervor, dass es „keine bessere Staatsform als die Demokratie“ gebe, weil sie die größten Freiheiten für den Einzelnen ermögliche. Gleichzeitig sei es Aufgabe des Staates, die Würde jedes Menschen zu schützen.

Auch Verbandsgemeindebürgermeister Oliver Götsch machte deutlich, dass das Motto des Tages keine Floskel sei: „Die Würde des Menschen ist unantastbar – das ist nicht verhandelbar.“ Vielfalt sei in der Verbandsgemeinde längst gelebte Realität. Von rund 17.000 Einwohnern stammen mehr als 1.704 Menschen aus 77 Nationen, allein in Selters leben 682 Menschen aus 52 Ländern. „Rassismus und Ausgrenzung haben bei uns keinen Platz“, betonte Götsch. Demokratie beginne im Alltag – im Gespräch und im Miteinander.

Wie konkret das aussehen kann, zeigten die Kinder selbst und stellten den beiden Bürgermeistern Fragen: Warum sind Sie Bürgermeister geworden? Was bedeutet Würde? Dürfen wir Kinder bei der Planung eines Bolzplatzes in Selters mitreden? Rolf Jung stellte sogar ein Kinderparlament in Aussicht – vorausgesetzt, es gäbe engagierte junge Mitstreiter, den Demokratie lebe vom Mitmachen.

Auch Vertreter der Religionsgemeinschaften brachten sich ein. Andreas Kratz von der katholischen Pfarrei St. Anna griff die Plakate der Kinder auf und verwies auf die Aktion „Aufstehen für …“ der christlichen Kirchen. Imam Ayhan Karatay von der Ditib-Gemeinde hob die gemeinsamen Werte von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion hervor.

Eine kreative Darstellung von Miteinander präsentierten Elftklässler der IGS mit einer eindrucksvollen Performance über Ausgrenzung und Zusammenhalt. Zum Abschluss lud Grundschulleiterin Petra Edel dazu ein, mit Beethovens „Europahymne“ ein weiteres Zeichen zu setzen – für Vielfalt, Einheit und Freiheit, nicht nur in Selters, sondern in ganz Europa.


Bürgermeister Oliver Götsch im Gespräch mit Schülern


Veranstalter und Akteure des Aktionstages gegen Rassismus


Stadtbürgermeister Rolf Jung hielt am Aktionstag gegen Rassismus ein Plädoyer für die Demokratie und dafür, keine Menschen auszugrenzen


Schüler der IGS Selters zeigten am Aktionstag gegen Rassismus in einer Performance den Unterschied zwischen Ablehnung und Akzeptanz