Aufmerksames Publikum bei Kammermusik in Selters

Streichtrio begeisterte mit fröhlicher Spielweise und intensiver Interpretation


Die differenzierte Spielweise von Ricarda Bauer, Silke Link und Frederik Jäckel begeisterte das Selterser Publikum

Musik von Haydn, Mozart und Bach spielten Ricarda Bauer, Silke Link und Frederik Jäckel als Streichtrio in der 7. Stadthausmatinée in Selters. "Der fröhliche Dreisprung" hieß das sorgfältig ausgewählte Programm, mit dem sie das Publikum rundum begeisterten. "In der Kammermusik hört man alles, das macht sie so besonders wertvoll", sagte Stadtbürgermeister Rolf Jung bei seiner Begrüßung und damit sollte er recht behalten.

Drei Komponisten, drei Musiker und die drei Werke, die Moderatorin Silke Link als "Hüpfer, Schritt und Sprung" bezeichnete, gaben der Matinée den Namen. Mit dem "Hüpfer", einem Streichtrio in G-Dur von Joseph Haydn, begann das Ensemble mit fröhlicher und leichter Musik, gerade so, wie es der damalige Auftraggeber, Fürst Nikolaus Eszterházy mochte: keine Melancholie, sondern bewegte Tanzsätze.

Zum "Schritt" setzte das Trio an mit "Adagio und Fuge d-moll" von Wolfgang Amadeus Mozart, wobei die Fuge eigentlich schon von Johann Sebastian Bach stammt. Mozart hatte sie bearbeitet und einen eigenen Satz vorangestellt. Viele große Musiker setzten sich intensiv mit der Musik Bachs auseinander und studierten seine Kompositionstechnik. Mozarts Adagio könne man auch verstehen als das, was das eine Musikgenie dem anderen schon immer hat sagen wollen, meinte Silke Link. Wobei die vielen seufzenden Motive in barocker Musiksprache eher nach dem klangen, was Mozart Bach schon immer hat fragen wollen. Besonders in der Fuge zeigte sich die Qualität des Ensembles: Dem Motiv wurde viel Raum gegeben und Zurückhaltung geübt, wo andere Stimmen den Moment prägten.

Diese differenzierte Spielweise setzte sich im letzten Teil fort, dem großen "Sprung" des Konzertes in Form von Johann Sebastian Bachs Goldbergvariationen. Die Moderatorin fragte, wie man sich einem solchen Werk nähern solle. Es ist voll mit Zahlensymbolik, Anklängen an 200 Jahre Musikgeschichte, verschachtelter Fugentechnik, Zitaten aus der damaligen Volksmusik und symbolischen Intervallen. Silke Link meinte, man könne sich, trotz der Theorie, einfach an der Schönheit des Werkes beim Spielen und Hören erfreuen, so wie es auch Bach selbst vorsah: "Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung verfertigt". Und das gelang dem Streichtrio auf besondere Weise. Sie spielten eine Auswahl aus den 32 Sätzen. Sensibel wurden die fragilen Stellen musiziert, besonders die unverhofften Schlüsse, die einfach im Nichts zu enden scheinen. Mit Leichtigkeit erklangen die virtuosen Stellen, mit großen Bögen wurden die harmonischen Spannungen ausgehalten und kraftvoll ertönten die melodiebetonten und orchestraleren Partien.

Das Publikum dankte es den Interpreten mit auffällig großer Aufmerksamkeit und mit lang anhaltendem Applaus. Das Stadthaus Selters erwies sich wegen seiner guten Akustik auch für Kammermusik als bestens geeignet.